Scham kann durch Vorurteile verstärkt werden. Glücksspielprobleme werden teilweise noch immer als bloßes „Laster“ oder als schlechte Angewohnheit betrachtet, die man doch einfach abstellen müsste. Viele Betroffene geben sich deshalb selbst die Schuld an ihrer Situation.
Dabei ist problematisches Glücksspiel kein Zeichen von mangelnder Willenskraft oder „schlechtem Charakter“. Glücksspiel kann das Denken und Verhalten stark beeinflussen. Entwickelt sich eine Glücksspielsucht, handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die Betroffene stark belasten kann.
Trotzdem bleibt bei Betroffenen oft das Gefühl: Das ist meine eigene Schuld. Sie machen sich starke Vorwürfe und fürchten, von anderen abgewertet oder verurteilt zu werden, oder sie zu enttäuschen.
Scham macht es schwerer, sich Hilfe zu suchen
Aus Scham verheimlichen viele Betroffene ihr Spielen so lange wie möglich. Sie hoffen, dass niemand etwas erfährt, und versuchen, Verluste durch neues Spielen auszugleichen.
Doch genau das kann zu einem Teufelskreis werden:
- Manche versuchen, verlorenes Geld durch weiteres Spielen wieder zurückzugewinnen.
- Dadurch besteht die Gefahr, noch mehr Geld zu verlieren. Die Geldsorgen steigen.
- Mit den Problemen wachsen häufig auch Scham und Angst davor, dass andere davon erfahren.
- Dadurch kann es noch schwerer werden, sich Hilfe zu suchen.
Verheimlichen kann sich kurzfristig wie ein Schutz anfühlen. Gleichzeitig kann es dazu führen, dass Betroffene länger mit ihren Sorgen alleine bleiben und sich Probleme weiter verschärfen.
Reden kann entlasten
Sich jemandem anzuvertrauen, löst nicht sofort alle Probleme. Aber es kann der erste Schritt sein, die Last nicht mehr allein tragen zu müssen. Ein offenes Gespräch mit einer vertrauten Person kann helfen, die Situation klarer zu sehen und gemeinsam nächste Schritte zu planen.
Tipps für den Einstieg:
- Wenn Sie nicht wissen, wie Sie anfangen sollen: schreiben Sie Ihre Gedanken vorab auf einen Zettel auf. Das ordnet die Gedanken.
- Sagen Sie im Gespräch ruhig ehrlich, wie schwer Ihnen dieses Gespräch gerade fällt.
- In einem ersten Gespräch kann es auch erstmal nur darum gehen, das Geheimnis zu teilen. Sie müssen noch keine fertige Lösung für alle Probleme im Kopf haben.
Anonyme Hilfe
Vielleicht ist der Schritt, mit Familie, Partner oder Freunden zu sprechen, im Moment noch zu groß. Dann kann es helfen, sich zunächst anonym Unterstützung zu holen.
Im kostenlosen und anonymen Beratungsprogramm Check Out können Betroffene zum Beispiel individuelle Unterstützung durch ein erfahrenes Beratungsteam erhalten. Auch über die E-Mail- oder Telefonberatung ist ein anonymer Austausch mit Fachkräften möglich.
Zudem können sich Teilnehmende in einem geschützten Forum des Programms mit anderen Betroffenen austauschen. Das Forum ist nur für Personen einsehbar, die am Beratungsprogramm teilnehmen.
Die Erfahrung, mit den eigenen Problemen ernst genommen und nicht verurteilt zu werden, kann Mut machen. Vielleicht fällt es danach auch leichter mit einer Person aus dem eigenen Umfeld zu sprechen.
Quellen:
- Aonso-Diego, G., Etxaburu, N., Martínez-Cabrero, C., Liendo, M., & Estévez, A. (2026). The role of stigma in gambling disorder: A systematic review. Stigma and Health, 11(3), 517–537. https://doi.org/10.1037/sah0000672
- Mallon, S., Runacres, J., McCormack, F., Riley, V., & Motta-Yanac, E. (2026). Shame, Stigma and Indebtedness in Gambling-Related Harm: A Rapid Review of Help-Seeking and Suicidality. International Journal of Environmental Research and Public Health, 23(9), 1141. https://doi.org/10.3390/ijerph23091141
- Fulton, C. (2019). Secrets and secretive behaviours: Exploring the hidden through harmful gambling. Library & Information Science Research, 41(2), 151-157.